In unserer westlichen Welt hat das Weinen keinen großen Stellenwert. Erwachsene weinen nur in Ausnahmefällen in der Öffentlichkeit. Auch wenn Kinder weinen, sollen sie schnell wieder ruhig sein. Die meisten Menschen in unserem Kulturkreis verbinden mit dem Weinen unangenehme Gefühle.Das macht es auch so schwer, einem Menschen jeden Alters beim Weinen zuzuhören, dabeizubleiben und ihm zuzutrauen, das Weinen selbst zu beenden, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist.Ein typisches Beispiel: Ein etwa achtjähriges Mädchen steht im Tierpark vor einer Rutsche und weint. Es ist nicht zu erkennen, warum. Ihre Mutter hockt vor ihr, hält sie im Arm und schenkt dem Mädchen ihre ganze Aufmerksamkeit. Passanten können ihr Weinen so schwer aushalten, dass sie dem Kind Süßigkeiten anbieten.Nicht das Weinen selbst tut weh, sondern die Gefühle oder Schmerzen, die das Weinen auslösen. Die Anspannung, die wir im Körper spüren, wenn wieder alles zu viel war, ist unangenehm. Die Natur hat es so eingerichtet, dass durch das Fließen der Tränen der Körper den Stress wieder abbauen kann. Viele haben das schon gespürt und bemerkt, dass ihnen nach dem Weinen wieder leichter ist.Dieses Buch richtet sich an Eltern, Pädagoginnen und an alle Menschen, die dem spannungslösenden Weinen mehr Platz in ihrem Leben geben wollen.
Ich beschäftige mich schon seit der Geburt meines Sohnes, im Mai 1996, mit diesem Thema. Zu der Zeit hatte ich bereits viel Erfahrung mit Babys und kleinen Kindern gesammelt, da ich durch meine sechs Geschwister zwölf Neffen und Nichten hatte, bevor unsere eigenen Kinder zur Welt kamen. Auch die Pikler-Pädagogik kannte ich damals schon und fühlte mich wirklich gut vorbereitet auf die Zeit nach der Geburt mit unserem Baby.
Doch schon nach einigen Wochen bemerkten wir, dass unser Sohn am Tag Schwierigkeiten mit dem Einschlafen hatte. Wenn er beim Stillen oder im Arm eingeschlafen war und wir ihn danach in seine Wiege legen wollten, wachte er sofort oder sehr bald darauf wieder auf. Er kam dadurch tagsüber selten und immer nur sehr kurz zum Schlafen. Das erstaunte mich, da ich wusste, dass die meisten Babys am Anfang viel schlafen.
Wahrscheinlich würden viele Eltern das Kind ins Tragetuch nehmen, damit es auf diese Weise mehr schlafen kann. Eine Hebamme, die uns damals besuchte, empfahl mir das Buch Warum Babys weinen von Aletha Solter.
Ich verschlang es geradezu, da mir diese Informationen die Augen öffneten. Wir verstanden endlich, warum unser Sohn nicht gut schlafen konnte. Viele der Erlebnisse, die ein Neugeborenes Tag für Tag hat, auch wenn es nur zu Hause und in der Natur ist, können nicht sofort verarbeitet werden und verursachen Spannungen und Stress. In diesem Zustand ist es aber ganz schwer zu schlafen.
Wir lernten, dass unser Sohn über das spannungslösende Weinen seine angestauten Gefühle loslassen konnte. Natürlich achteten wir darauf, dass er zu dieser Zeit keine anderen Bedürfnisse (wie Hunger, Durst, Schmerzen etc.) hatte, und wir hielten ihn dabei im Arm und hörten ihm aufmerksam zu. Erfreulicherweise funktionierte das auch wirklich, und der Alltag mit ihm wurde viel leichter und unbeschwerter. Er verbrachte dadurch auch viel mehr Zeit mit Spielen und war insgesamt viel zufriedener. Auf diese Weise durfte ich also die ersten Erfahrungen mit dem spannungslösenden Weinen machen, und ich verfolgte fortan dieses Thema sehr interessiert.
Nach 18 Jahren Familienbegleitung im Pikler SpielRaum, konnte ich schon mit zahlreichen Familien diesen Weg gehen. Viele Erkenntnisse und Erfahrungen aus dieser Arbeit finden sich in meinem Buch.
Was bedeutet es nun, wenn dem Kind erlaubt wird zu weinen? Was sollen die Eltern dabei tun? Wie lange dauert das? Wann ist die richtige Zeit fürs Weinen? Vielleicht hat das Baby ja Hunger oder Durst, oder es fühlt sich alleine, oder es hat Angst?
Ganz viele Fragen werden in solchen Situationen hochkommen, und das ist auch gut. Viele von uns haben nur wenig Erfahrung mit dem spannungslösenden Weinen, da das Weinen in unserer westlichen Welt keinen großen Stellenwert hat. Erwachsene weinen nur in Ausnahmefällen in der Öffentlichkeit. Auch wenn Kinder weinen, sollen sie schnell wieder ruhig sein. Sie selbst haben es so erlebt, und rundherum gehen fast alle Menschen auf dieselbe Art und Weise mit dem Weinen um. Die meisten Menschen in unserem Kulturkreis verbinden mit dem Weinen unangenehme Gefühle. Das macht es den meisten von uns auch so schwer, einem Menschen jeden Alters beim Weinen zuzuhören, dabei zu bleiben und ihm zuzutrauen, das Weinen selbst zu beenden, wenn der für ihn richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist.
Nicht das Weinen selbst tut weh, sondern die Gefühle oder Schmerzen, die das Weinen auslösen. Die Anspannung, die wir im Körper spüren, wenn wieder alles zu viel war, ist unangenehm. Die Natur hat es so eingerichtet, dass der Körper durch das Fließen der Tränen den Stress wieder abbauen kann. Viele haben das schon gespürt und bemerkt, dass ihnen nach dem Weinen wieder leichter ist.
Meine Grundhaltung ist, dass Weinen ein Grundbedürfnis ist, wie auch jenes nach Essen, Schlafen, Trinken, Empfangen von Liebe, Schutz, Verbundenheit, Anerkennung und Wertschätzung, Geborgenheit und Selbstbestimmung. Wenn das Baby weint, geht es für die Bezugspersonen erst einmal darum, herauszufinden, was der Grund dafür sein könnte. Das könnte Hunger, Durst, Müdigkeit, Überforderung und Unruhe, Schmerzen oder einer der oben genannten Gründe sein.
Wenn all das nicht der Grund für das Weinen ist, dann könnte es die Anspannung sein, die das Kind zum Weinen bringt. Jetzt braucht das Baby eine gute Begleitung, eine erwachsene Person, die mit ihm in Beziehung ist, die das Weinen aushalten kann und dem Baby dabei volle Aufmerksamkeit und Wertschätzung entgegenbringt.
Über die geeignete Begleitung beim spannungslösenden Weinen schreibe ich ausführlich in meinem Buch.
Babys und Kleinkindern eine Sprache geben. Vom spannungslösenden Weinen von Menschen jeden Alters; ISBN 9783732230822
Preis 17,- €
Verkauf bei Barbara Lackner:
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bei BoD:
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und bei jedem Buchhändler
Das BilderbuchLena weint. Eine Geschichte über Gefühle. Zum Vorlesen für Kinder ab 2 Jahren; ISBN: 978-3-99150-004-9
Preis 8,- €
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